Erektionserhalt nach Prostataoperation: GPI-1485, FK 1706 [23.07.06]
Die Erhaltung der Erektionsfähigkeit des Penis nach radikaler Entfernung der Prostata wegen Prostatakarzinoms oder auch nach anderen Eingriffen im kleinen Becken, wie z. B. Blasenentfernung oder Enddarmentfernung, stellt nach wie vor ein großes Problem dar. Bei der radikalen Prostataentfernung, wo die Problematik wohl am besten untersucht ist, finden sich in der Literatur unterschiedlich Angaben zum Erhalt der Potenz. Selbst bei beidseitiger operativer Schonung der Erektionsnerven, finden sich lediglich Potenzraten zwischen 10 und 60%. Dabei werden die höheren Prozentzahlen praktisch ausschließlich durch die postoperative Gab von Phosphodiesterase-5 Hemmern (z. B. Viagra® oder Cialis®) erreicht.
Es ist zweifelsfrei, dass auch bei operativer Schonung der Erektionsnerven eine zumindest teilweise Schädigung der Nerven entsteht. Neu Ansätze zielen jetzt darauf, diese operative Schädigung der Nerven durch die postoperative Gabe von so genannten neurotropen Faktoren (die Regeneration von Nerven unterstützend) zu verhindern. GPI-1485 ist ein neurotroper Faktor, der sich bereits in Phase II Untersuchungen befindet und gute Ergebnisse hinsichtlich der Nervenregeneration nach radikaler Prostataentfernung gezeigt hat. FK 1706 ist ebenfalls ein neurotroper Faktor der in einer aktuellen Studie von der Arbeitsgruppe um Tom Lue (1) untersucht wurde und im Tiermodell eine sehr gute Regeneration von Nervengewebe nach mechanischer Schädigung zeigte.
Unsere Meinung:
Die Gabe von neurotropen Faktoren nach nervschonender radikaler Prostataentfernung wird die Zukunft dieser Operationstechnik sein. Allerdings wird es noch einige Jahre dauern, bis die entsprechenden Faktoren für die klinische Routineanwendung zur Verfügung stehen. Bis dahin ist die postoperative Gabe von Phosphodiesterase-5 Hemmern, wie wir sie bei unseren Patienten durchführen, die Methode der Wahl.
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Priv. Doz. Dr. med. Wolf-D. Beecken
Literatur:
1. Hayashi N. et al., J. Urol. 176, 824 – 829, 2006
